Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Während sich der politische Rand rechts außen in völkischen Fantasien suhlt und die digitale Kompetenz dort in etwa auf dem Niveau eines Faxgerätes von 1995 stagniert, wurde an anderer Stelle tatsächlich mal Geld in die Hand genommen. Sinnvoll.
Das BMWK (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz) fördert mit 20 Millionen Euro das Projekt Soofi (Sovereign Open Source Foundation Models).
Das Ziel? Ein offenes KI-Sprachmodell mit 100 Milliarden Parametern. Eine europäische Alternative zu ChatGPT, Claude und Co. Made in Germany, aber mit europäischem Mindset.
Die Faktenlage (für die, die lesen können)
Wir haben uns in eine technologische Abhängigkeit von den USA und China manövriert, die jedem Souveränitäts-Theoretiker die Schamesröte ins Gesicht treiben müsste. Deutsche Unternehmen nutzen US-Modelle, füttern US-Algorithmen und machen sich zu reinen Anwendern fremder Kerntechnologien. Das ist das digitale Äquivalent zum reinen Rohstofflieferanten.
Hier setzt Soofi an. Ein Konsortium aus Fraunhofer IAIS, IIS, DFKI, TU Darmstadt, Uni Hannover, der Berliner Hochschule für Technik und den Startups Ellamind und Merantix Momentum soll das richten.
Besonders interessant wird es beim Blick nach Würzburg. Die dortige Uni (Data Science Chair & Computer Philology) übernimmt essenzielle Parts der Pipeline:
- Pretraining & Data Cleaning: Wer glaubt, man kippt einfach das Internet in eine Grafikkarte, hat KI nicht verstanden. Die Würzburger filtern den Müll raus.
- Juristische Domänen-Spezialisierung: Das Modell soll fit gemacht werden für die deutsche Verwaltungssprache und juristische Texte. Das ist der Unterschied zwischen einem Chatbot, der halluziniert, und einem Werkzeug, das rechtsstaatliche Prozesse unterstützt.
- Reasoning: Es geht nicht nur um „Labern“, sondern um logisches Schlussfolgern.
Warum das politisch relevant ist (und der AfD nicht schmecken wird)
Man muss das mal in aller Arroganz ausbuchstabieren: Echte Souveränität erreicht man nicht durch Grenzzäune oder das Abschieben von Menschen (was faktisch ohnehin keine Probleme löst, sondern nur Ressourcen bindet, die wir in der IT bräuchten). Souveränität erreicht man durch technologische Exzellenz und Open Source.
Dieses Projekt ist per Design antifaschistisch, weil es Open Source ist. Es demokratisiert den Zugang zu Hochtechnologie, anstatt ihn in den Händen weniger Tech-Oligarchen zu konzentrieren. Zudem soll das Modell explizit den Anforderungen des EU AI Act entsprechen und europäischen Wertvorstellungen genügen.
Das bedeutet:
- Training auf Datensätzen, die nicht nur US-amerikanischen Bias reproduzieren.
- Fokus auf Mehrsprachigkeit und Integration (Translation-Capabilities), statt nationaler Echolokammer.
- Transparenz statt Blackbox.
Technische Details für die Kenner
Das Training läuft auf der Industrial AI Cloud der Telekom (T-Systems). Souveräne Infrastruktur. Kein AWS, kein Azure. Die Würzburger bringen ihre Erfahrung aus dem Training von „LLäMmlein“ ein. Es werden LoRA-basierte Adapter für spezifische Domänen (Recht, Medizin) entwickelt. Das ist genau der granulare, wissenschaftliche Ansatz, der uns von den „Move fast and break things“-Cowboys unterscheidet.
Fazit
20 Millionen Euro sind im Vergleich zu den Budgets von OpenAI oder Google natürlich ein Witz. Sam Altman gibt das wahrscheinlich monatlich für Kaffee aus. Aber: Es ist Steuergeld, das in öffentliche, transparente Forschung fließt und nicht in proprietäre Closed-Source-Gärten.
Es ist der Versuch, ein Reasoning-Modell zu bauen, das strukturiert denken kann, statt nur statistische Wahrscheinlichkeiten aneinanderzureihen. Wer „Deutschland zuerst“ brüllt, aber amerikanische Software nutzt, hat den Schuss nicht gehört. Wer echte Unabhängigkeit will, fördert Projekte wie Soofi.
Der Code und die Modelle sollen offen sein. Das ist der einzige Weg. Alles andere ist digitale Knechtschaft.
Gönnt euch die Details direkt an der Quelle, bevor ihr wieder Unfug auf X (ehemals Twitter) verbreitet:

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