Systemversagen mit Ansage: Warum wir Migranten jagen, aber Milliarden-Diebe laufen lassen

Wer glaubt, dass Recht und Gesetz in diesem Land für alle gleich gelten, glaubt vermutlich auch, dass die Erde eine Scheibe ist. Anne Brorhilker, die wichtigste Cum-Ex-Jägerin der Republik, hat hingeschmissen. Und ihre Begründung ist eine bankrotterklärung für den Rechtsstaat – und ein Weckruf gegen die billige Hetze von rechts.

Es ist schon drollig. Da draußen schäumen die Wutbürger und die blaue Alternativ-Partei vor Zorn, fordern „Remigration“ und fantasieren vom Untergang des Abendlandes durch Zuwanderung. Währenddessen lachen sich in den Hochhaustürmen von Frankfurt und London ein paar Jungs in 5000-Euro-Anzügen ins Fäustchen.

Anne Brorhilker, Ex-Oberstaatsanwältin und der Schrecken der Finanzmafia, hat dem Staat den Mittelfinger gezeigt. Nicht, weil sie keine Lust mehr hatte. Sondern weil sie realisiert hat: Der Staat will gar nicht gewinnen.

Die „dicken Fische“ schwimmen weiter

Die Faktenlage, die Brorhilker im Interview darlegt, ist so ernüchternd wie präzise. Wir reden hier über Cum-Ex. Den größten Steuerraubzug der deutschen Geschichte. Geschätzter Schaden: 10 Milliarden Euro. Das ist Geld, das wir alle gezahlt haben. Das sind unsere Schulen, unsere Straßen, unsere soziale Infrastruktur.

Was passiert? Die Täter – Banker, Anwälte, Finanzmarktakteure – haben sich Kapitalertragssteuern erstatten lassen, die sie nie gezahlt haben. Das ist kein „Schlupfloch“, das ist organisierter Diebstahl.

Aber während die Justiz bei einem Ladendiebstahl oder einem „kriminellen Ausländer“ (um mal den populistischen Duktus zu zitieren) sofort die volle Härte des Gesetzes demonstriert, knickt sie vor dem Geldadel ein. Brorhilker sagt es klar: „Der Staat ist an dieser Stelle sehr schwach aufgestellt.“ Es herrscht ein „fatales Ungleichgewicht“.

Ressourcen-Krieg: Behörde vs. Großkanzlei

Das Problem ist strukturell.

  1. Personalmangel: Die Staatsanwaltschaften sind chronisch unterbesetzt.
  2. Föderaler Flickenteppich: Die Behörden reden nicht miteinander. Kein Wissensmanagement. Digitale Steinzeit.
  3. Gegner: Auf der anderen Seite stehen hochspezialisierte Anwaltsarmeen und PR-Manager, die Medienkampagnen fahren, um Ermittler zu diskreditieren.

Die Täter agieren global, verschachteln ihre Firmen im Ausland und nutzen jede juristische Finesse. Der deutsche Beamte kommt mit dem Faxgerät zur Schießerei.

Das rechte Narrativ zerschellt an der Realität

Und hier kommen wir zum Punkt, der den rechten „Heimatverteidigern“ nicht schmecken wird: Die wahre Bedrohung für unseren Wohlstand kommt nicht mit dem Schlauchboot über das Mittelmeer. Sie sitzt in den Vorstandsetagen.

Es ist intellektuell beleidigend, wie sehr sich der Diskurs auf Abschiebungen fokussiert. Fakt ist: Abschiebungen lösen kein einziges unserer strukturellen Probleme. Sie sind eine Scheinlösung für simple Gemüter. Wir brauchen Migration, wir brauchen Integration, um unsere Wirtschaft am Laufen zu halten. Das ist Demografie, keine Ideologie.

Aber während man politisch Kapital daraus schlägt, nach unten zu treten und gegen Geflüchtete zu hetzen, lässt man die Wirtschaftskriminellen mit dem breiten Kreuz laufen. Das ist Klassenjustiz in Reinform.

Fazit: Empört euch (aber über die Richtigen)

Brorhilker wechselt zur Bürgerbewegung Finanzwende. Sie will das System von außen ändern, weil es von innen nicht reformierbar scheint. Das ist ehrenwert, aber auch ein Armutszeugnis für unsere Demokratie.

Solange wir zulassen, dass Parteien wie die AfD den Diskurs auf die Schwächsten der Gesellschaft lenken, während die Elite uns die Taschen leert, haben wir es nicht besser verdient. Wir brauchen keine härteren Gesetze – die haben wir, sagt Brorhilker. Wir brauchen einen Staat, der die Eier hat, sie auch gegen die Mächtigen durchzusetzen.

Wer also wirklich „Deutschland retten“ will, sollte aufhören, gegen Migranten zu pöbeln, und anfangen, sich dafür zu interessieren, warum bei Cum-Ex erst 3,1 von 10 Milliarden Euro zurückgeholt wurden. Der Rest ist Ablenkung.

Bildet euch mal.

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