Lacher des Tages: BND hörte Obama ab! „Unter Freunden geht das gar nicht“, was? Von wegen!

Kurze Durchsage: Kannste dir nicht ausdenken!

Erinnert ihr euch noch an die gute alte Zeit? 2013? Snowden? Als Mutti Merkel sich mit ihrem Dackelblick hinstellte und den wohl heuchlerischsten Satz der Dekade in die Kameras diktierte:

„Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht.“

Tja. Geht wohl doch. Und zwar von uns. Gegen die.

Haltet euch fest, setzt den Aluhut ab (der empfängt heute eh nur Rauschen) und lest das hier genau durch. Es kommt nämlich raus: Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat jahrelang Barack Obama abgehört. Nicht irgendwo. Sondern direkt in der verdammten Air Force One.

Da brat mir doch einer einen Storch. Wir haben es hier mit einem Skandal zu tun, der so tief blicken lässt, dass man beim Hinsehen Höhenangst bekommt.


Die Fakten: BND auf Abwegen

Holger Stark hat in seinem neuen Buch „Das erwachsene Land“ (gerade erschienen, kauft das, wenn ihr schlechte Laune wollt) mal eben den Teppich gelupft, unter den unsere Dienste ihren Dreck gekehrt haben. Und was liegt da? Ein Wanzen-Cocktail à la BND.

Hier ist der Stoff, aus dem Albträume für Diplomaten gemacht sind:

  • Zielobjekt: US-Präsident Barack Obama.
  • Tatort: Air Force One (die Regierungsmaschine der USA, angeblich das sicherste Flugzeug der Welt. Gelächter).
  • Zeitraum: Jahrelang. Bis das Kanzleramt 2014 den Stecker zog (nachdem Hillary Clinton auch schon dran glauben musste).
  • Rechtsgrundlage: Gab es nicht. Die USA standen nicht mal im Auftragsprofil. Der BND hat hier also Freestyle-Jura betrieben.

Security durch Inkompetenz?

Jetzt fragt ihr euch sicher: Wie zum Geier schafft es der BND – ein Verein, der sonst Probleme hat, eine Pizza unfallfrei zu bestellen – die Air Force One zu knacken? Haben wir da Super-Hacker? Quantencomputer im Keller in Pullach?

Nein. Die Antwort ist viel lustiger (und trauriger): Die Amis waren einfach zu blöd zum Verschlüsseln.

Laut Insidern war die Verschlüsselung an Bord der Air Force One „fehleranfällig“. Die Techniker nutzten etwa ein Dutzend Frequenzen, die der BND kannte. Man musste also gar keine Super-Crypto knacken, man musste nur wissen, wo man das Ohr an die Leitung legt. Das ist kein High-Tech-Hack, das ist das digitale Äquivalent dazu, dass Obama das Fenster offen gelassen hat.

Der BND hat also nicht wegen eigener Genialität gewonnen, sondern wegen amerikanischer Schlamperei. Security by Obscurity funktioniert halt nicht, wenn der Gegner weiß, wo du funkst.


Die „Nur eine Kopie“-Mappe (James Bond für Arme)

Dass den Herrschaften beim BND klar war, dass sie hier gerade politisches Dynamit mit einem Hammer bearbeiten, sieht man an ihrem OpSec (Operational Security).

Es gab für die Abschriften der Obama-Telefonate eine spezielle Mappe.

  • Nur in einfacher Ausführung. (Kein Backup? Mutig!)
  • Nur für die Teppich-Etage: BND-Präsident, Vize, Abteilungsleiter.
  • Befehl: Nach dem Lesen vernichten!

Das klingt wie aus einem schlechten Spionage-Groschenroman. „This message will self-destruct.“ Aber warum der Aufwand? Weil sie genau wussten, dass das illegal ist. Das Kanzleramt wusste angeblich von nichts (oder wollte von nichts wissen – plausible deniability, ick hör dir trapsen).

Die Erkenntnisse flossen dann „anonymisiert“ in Berichte ans Kanzleramt ein. Motto: „Wir schätzen, dass die USA so denken…“ – dass die Quelle dafür O-Ton Obama beim Telefonieren war, hat man Merkel lieber verschwiegen.


Die politische Dimension: Heuchelei im Endstadium

Machen wir uns nichts vor. Als der NSA-Skandal kochte und herauskam, dass die Amis Merkels Handy („Mutti-Phone“) abgehört haben, war die Empörung riesig. Merkel zog Vergleiche mit der Stasi. Sie warnte vor Überwachungswahn.

Während sie das sagte, saßen BND-Beamte in Pullach oder Bad Aibling, hörten Obama zu und dachten sich wahrscheinlich: „Hoffentlich merkt die Chefin nicht, dass wir genau denselben Scheiß machen.“

Das ist keine Doppelmoral mehr, das ist Quadruple-Moral.

  1. Wir regen uns auf, dass wir überwacht werden.
  2. Wir überwachen die, die uns überwachen.
  3. Wir haben dafür keine Erlaubnis.
  4. Wir tun so, als wären wir die moralische Instanz im Datenschutz-Universum.

Das Kanzleramt hat die Operation 2014 gestoppt, als Peter Altmaier (erinnert ihr euch? Der mit der Energiewende…) Wind davon bekam, dass Hillary Clinton abgehört wurde. Dass Obama auch auf der Liste stand, wusste Altmaier da wohl noch gar nicht.


Fazit: Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?

Die Antwort ist einfach: Niemand. Der BND macht, was er will, solange er nicht erwischt wird. Wenn das Verschlüsselungsniveau der Air Force One schon ausreicht, um den BND zum Lauscher zu machen, dann gute Nacht.

Wir lernen heute zwei Dinge:

  1. Traue niemals einem Politiker, der über Überwachung jammert. Die Wahrscheinlichkeit, dass sein eigener Geheimdienst gerade das Gleiche tut, liegt bei 100%.
  2. Verschlüsselung ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Wenn selbst der US-Präsident auf Schlangenöl-Krypto setzt, wie sicher sind dann wohl eure Daten?

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Verdauen dieser Nachricht. Ich geh mal kurz kotzen.

Update: Das Büro von Merkel schweigt. Der BND schweigt. Klar, was sollen sie auch sagen? „Sorry“?

Transparenzhinweis: Die Fakten stammen aus der Recherche von Holger Stark („Das erwachsene Land“, Propyläen Verlag).

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