Casino Royale in der Staatskanzlei? Wie die BVK 690 Millionen Euro im Monopoly-Stil versenkt

Während draußen die Infrastruktur bröckelt und uns erzählt wird, für Soziales sei kein Geld da, zünden bayerische Finanzjongleure mal eben fast 700 Millionen Euro an. Der Schauplatz: Luxus-Immobilien in den USA. Die Akteure: Eine Pensionskasse unter CSU-Aufsicht und ein verurteilter Steuerbetrüger. Willkommen in der Realität der „wirtschaftlichen Vernunft“.

Es ist die alte Leier, die wir immer wieder hören: Der Markt regelt das. Private Investitionen sind effizienter als der Staat. Vertraut den Profis in den Anzügen. Tja. Wenn man sich das aktuelle Desaster bei der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) anschaut, regelt der Markt vor allem eines: Die Umverteilung von realer Arbeitskraft in heiße Luft.

Das große Zocken mit fremdem Geld

Die BVK ist nicht irgendeine kleine Sparkasse. Sie ist ein Tanker, der 117 Milliarden Euro verwaltet – die Altersvorsorge von Ärzten, Anwälten und Schornsteinfegern. Geld, das eigentlich sicher sein sollte. Doch Sicherheit ist im modernen Finanzkapitalismus offenbar zu langweilig.

Stattdessen hat man sich entschieden, 1,6 Milliarden Euro in US-amerikanische Prestige-Projekte zu pumpen. Die Transamerica-Pyramide in San Francisco, Luxusbunker in Manhattan, Hochglanzhotels in Miami. Das Ergebnis? Ein Totalausfall mit Ansage.

Die BVK muss nun voraussichtlich 690 Millionen Euro abschreiben. Einfach weg. Verpufft. Umgerechnet sind das Summen, mit denen man ganze Landstriche sanieren könnte. Aber im Casino der Hochfinanz ist das nur eine „Marktbereinigung“. Die BVK wiegelt ab: Das seien ja nur 0,6 Prozent des Anlagekapitals. Eine zynische Rechnung. In absoluten Zahlen ist es ein Vermögen, das durch Gier und Inkompetenz vernichtet wurde.

Kuscheln mit Kriminellen

Besonders pikant wird es, wenn man sich die Geschäftspartner ansieht. Das Geld floss unter anderem in Projekte von Michael Shvo. Ein Name, bei dem eigentlich alle Alarmglocken schrillen müssten – zumindest wenn man Google bedienen kann. Shvo wurde in den USA bereits 2018 wegen Steuerbetrugs verurteilt.

Aber hey, Moral ist in diesen Kreisen ja eher eine lästige Fußnote. Offenbar war die Gier nach Rendite so groß, dass man bei der Due Diligence (der Risikoprüfung) beide Augen fest zugedrückt hat. Jetzt stehen die Luxusimmobilien teilweise leer, Mieter klagen, Shvo selbst will noch Gebühren sehen. Es ist das klassische Bild: Wenn sich das Kapital verselbstständigt, sitzen am Ende Kriminelle und „seriöse“ Manager am selben Tisch und stoßen an – bis die Blase platzt.

Das dröhnende Schweigen der „Verantwortlichen“

Und wo bleibt die politische Aufsicht? Beaufsichtigt wird die BVK vom bayerischen Innenministerium. Chef dort: Joachim Herrmann (CSU).

Das ist genau jene politische Strömung, die sonst bei jeder Gelegenheit nach „Law and Order“ ruft, die den Gürtel für die Allgemeinheit enger schnallen will und die sich gerne als Gralshüter solider Finanzen inszeniert. Doch wenn unter ihrer Aufsicht hunderte Millionen versenkt werden?

Dann wäscht man seine Hände in Unschuld. Herrmanns Haus ließ verlauten, man habe keine „aufsichtliche Zuständigkeit“ für den konkreten Fonds gehabt. Eine risikolose Anlage gebe es eben nicht. Ach so. Es ist die klassische neoliberale Strategie: Gewinne werden privatisiert (oder als Erfolg der Politik gefeiert), Verluste werden sozialisiert oder als „unvermeidbares Marktrisiko“ abgetan. Wäre so ein finanzielles Desaster in einem sozial geführten Projekt passiert, würde die konservative Presse und die rechte Troll-Armee im Internet seit Wochen schäumen. Hier aber? Schulterzucken.

Wenn die Blase platzt

Nun formiert sich Widerstand. Die Anwälte Peter Mattil und Stephan Greger – bekannt aus dem Wirecard-Skandal – haben eine „Interessengemeinschaft Versorgungswerke“ gegründet. Sie stellen die richtigen Fragen: Wer hat das entschieden? Warum wusste man nichts von Shvos Vorstrafen?

Sogar Ärzte und Anwälte, also die klassische bürgerliche Mitte, merken jetzt, dass das System sie nicht schützt. Wenn Finanzmanager Monopoly spielen, ist am Ende niemand sicher – außer die Manager selbst, die vermutlich weich fallen werden.

Fazit: Dieser Fall ist mehr als nur eine Fehlinvestition. Er ist ein Symptom. Ein Symptom dafür, dass öffentlichen und halböffentlichen Geldern nichts auf unregulierten Spekulationsmärkten zu suchen haben. Und er ist ein Beweis dafür, dass die politische Rechte, die sich so gerne als „Wirtschaftspartei“ geriert, in Wahrheit oft nicht mehr ist als der verlängerte Arm eines Spielcasinos, in dem die Bank immer gewinnt – und wir die Zeche zahlen.

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