Mercosur-Deal, die Gummistiefel-Mafia und warum „Preisverfall“ eigentlich geil ist

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[l] Kurze Durchsage zur Lage der Nation (und Weltwirtschaft): Der Mercosur-Deal steht. Endlich. Nach gefühlt hundert Jahren Verhandlungen haben die EU und Südamerika (Brasilien, Argentinien etc.) beschlossen, dass wir künftig fast ein Fünftel der weltweiten Wirtschaftsleistung in einer Freihandelszone bündeln.

Warum ist das gut? Erstens: Lithium und seltene Erden. Wir machen uns endlich ein Stück unabhängiger von China. Zweitens: Wir zeigen Trump und seiner Zoll-Voodoo-Ökonomie den Mittelfinger. Drittens: Eure Lebensmittel könnten billiger werden.

Wer findet das scheiße? Natürlich. Die deutschen Bauern.

Es ist wirklich faszinierend. Da draußen formiert sich eine geopolitische Allianz, die uns den Arsch retten könnte (730 Millionen Menschen, gigantischer Binnenmarkt), und in Deutschland wird wieder der Untergang des Abendlandes herbeihalluziniert, weil argentinisches Rindfleisch vielleicht keine 50 Euro das Kilo kostet.

Gucken wir uns mal die Fakten an, bevor die Güllewagen wieder rollen:

Die Landwirtschaft trägt in Deutschland noch sagenhafte 0,9 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. In der EU sind es 1,6 Prozent. Wir lassen uns also von einer Branche, die wirtschaftlich kaum noch Relevanz hat, diktieren, wie globale Handelspolitik zu laufen hat? Das ist, als würde der Schwanz mit der Kuh wedeln.

Der Bauernverband warnt jetzt vor „Preisverfall“. Merkt ihr was? „Preisverfall“ ist Neusprech für: Essen wird billiger. Nachdem uns die Inflation jahrelang die Haare vom Kopf gefressen hat, soll das jetzt schlecht sein? Dass sich Geringverdiener wieder Rindfleisch leisten können, ohne einen Kredit aufzunehmen, ist für den Bauernverband ein Schreckensszenario. Kannste dir nicht ausdenken.

Apropos Rindfleisch: Die Angst vor der „Südamerika-Schwemme“ ist mathematisch betrachtet lächerlich. Es geht um eine Quote von 99.000 Tonnen pro Jahr. Das sind 1,5 Prozent der europäischen Produktion. Wenn eure Geschäftsmodelle bei 1,5 Prozent mehr Konkurrenz kollabieren, dann war das Geschäftsmodell vielleicht einfach Mist. Just saying.

Aber mein persönliches Highlight ist die Doppelmoral bei den Protestformen.

Erinnert ihr euch noch an die „Klimakleber“? Wenn sich junge Leute auf die Straße setzen, um buchstäblich das Überleben der Spezies zu sichern, dann ist das „Nötigung“, „Terrorismus“ und der Rechtsstaat muss mit voller Härte durchgreifen. Wenn aber Landwirte mit steuerfinanzierten 200.000-Euro-Traktoren Autobahnen blockieren, Rettungsgassen verstopfen und Mist vor Parteizentralen kippen, nur um ihre Subventionen zu verteidigen – dann ist das „gelebte Demokratie“ und „bäuerlicher Widerstand“.

Wir erinnern uns: Seit dem 1. Januar kriegen die Herrschaften wieder 21,5 Cent pro Liter Diesel vom Staat zurück. Macht über 400 Millionen Euro Steuergeld pro Jahr. Ein „Danke“ habe ich nicht gehört. Stattdessen wird auf der Grünen Woche wieder das große Mimimi angestimmt.

Und wer springt sofort auf den Zug auf? Die AfD und Bernd Höcke. Der twittert jetzt was von „Nahrungsmittelsouveränität“. Das klingt intellektuell, ist aber nur die völkische Version von „Autarkie“. Wer wissen will, wie toll „nahrungsmittelsouveräne“ Regale aussehen, kann ja mal die älteren Semester im Osten fragen, wie das Angebot in der DDR-Kaufhalle so war. Oder wir fragen Nordkorea. Die sind auch super souverän.

Fazit: Der Mercosur-Deal ist volkswirtschaftlich no-brainer. Die Bauernverbände betreiben Klientelpolitik auf Kosten der Allgemeinheit und nutzen dafür Methoden, für die Klimaaktivisten in den Knast wandern. Und die Rechten versuchen, daraus wieder eine „Blut und Boden“-Nummer zu drehen.

Lasst euch nicht verarschen. Freihandel senkt Preise. Protektionismus hilft nur den Ineffizienten.

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