Kurze Durchsage an die Fraktion „Handelskriege sind einfach zu gewinnen“: Erinnert ihr euch an das markige Gebrüll aus Washington, dass „die Ausländer“ für die Zölle bezahlen werden? Dass China, Indien und die EU bluten werden?
Tja. Nein! Doch! Oh!
Das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat heute (20.01.2026) eine Studie auf den Tisch geknallt, die man in Washington wohl am liebsten sofort schreddern würde. Das Ding heißt „America’s Own Goal: Who Pays the Tariffs?“ und das Ergebnis ist so vernichtend eindeutig, dass es selbst dem härtesten MAGA-Ökonomen die Tränen in die Augen treiben dürfte.
Die Kurzfassung für Lesefaule: Es ist ein verdammtes Eigentor.
Der Mythos ist tot: 96 Prozent zahlt der US-Verbraucher
Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Die Forscher (Hinz, Lohmann, Mahlkow, Vorwig) haben sich nicht einfach ein paar Zahlen ausgedacht. Die haben 25 Millionen Lieferdatensätze durchgeackert. Gesamtwert: Fast 4 Billionen Dollar. Das ist Big Data, keine Kaffeesatzleserei.
Das Ergebnis in nackten Zahlen:
- Zolllast Ausland: Mickrige 4 Prozent.
- Zolllast US-Bürger: Satte 96 Prozent.
Was bedeutet das? Wenn Trump Zölle erhebt, senken die ausländischen Firmen ihre Preise nicht. Warum sollten sie auch? Die Kosten werden 1:1 durchgereicht. Das ist keine „Strafgebühr für das Ausland“, das ist eine knallharte Konsumsteuererhöhung für die eigene Bevölkerung. Wir reden hier von Mehreinnahmen (oder besser: Mehrbelastungen) von 200 Milliarden US-Dollar allein im Jahr 2025.
Das Geld wird den US-Bürgern direkt aus der Tasche gezogen, während sie an der Kasse stehen. Herzlichen Glückwunsch.
Fallstudie Indien: Weniger Ware, gleicher Preis
Besonders schön sieht man das Desaster an den Daten vom August 2025. Da wurden Indien und Brasilien ins Visier genommen (Zollerhöhung auf 50%!).
Die Erwartung der Trump-Logik: Indien muss die Preise senken, um im Markt zu bleiben. Die Realität der Marktwirtschaft: Indien liefert einfach weniger.
Das IfW meldet, dass das Handelsvolumen massiv eingebrochen ist. Indiens Exportmenge ging um bis zu 24 Prozent runter. Aber die Stückpreise? Die blieben unverändert. Die Inder denken gar nicht daran, Trumps Politik zu subventionieren. Sie verkaufen ihre Waren einfach woanders hin oder gar nicht. Julian Hinz vom IfW bringt es auf den Punkt:
„Die Behauptung, dass ausländische Staaten diese Zölle tragen, ist ein Mythos. Die Daten zeigen das Gegenteil: Die Amerikaner bezahlen die Rechnung.“
Kollateralschaden: Alles wird teurer und schlechter
Es ist ja nicht nur so, dass die Produkte teurer werden. Die Vielfalt sinkt auch noch. Unternehmen in den USA haben sinkende Margen, weil sie weniger exportieren können (Vergeltungszölle, anyone?), und die Verbraucher haben weniger Auswahl zu höheren Preisen.
Und der absolute Gipfel der geopolitischen Realsatire: Trump will jetzt Zölle für Länder erhöhen, die ihn nicht dabei unterstützen, Grönland zu kaufen. Lest das nochmal. Das ist kein Witz. Das ist die Welt im Januar 2026. Weil Dänemark (oder wer auch immer) Grönland nicht verscherbeln will, sollen US-Bürger mehr für ihren Import-Käse zahlen. Die EU hat natürlich direkt eigene Strafzölle angekündigt. Es ist ein Race to the bottom.
Showdown im Supreme Court
Der einzige Hoffnungsschimmer (oder der nächste Cliffhanger): Der US Supreme Court könnte noch diesen Monat entscheiden, ob der Präsident diesen Zoll-Wahnsinn überhaupt im Alleingang durchziehen durfte. Aber bis dahin gilt: Wer importiert, verliert.
Fazit: Protektionismus dieser Art funktioniert nicht. Hat er nie, wird er nie. Es ist ökonomisches Schlangenöl. Die Zeche zahlt der kleine Mann an der Wal-Mart-Kasse, während oben von „großen Siegen“ schwadroniert wird.
Link zur Studie (Kiel IfW) (Öffnet im neuen Fenster, falls die Server nicht gerade unter der Last der Wahrheit zusammenbrechen)
