Schauplatz Minneapolis: Wenn „Heimatschutz“ zum Hinrichtungskommando wird

Habt ihr euch eigentlich schon an die tägliche Dosis Staatsgewalt gewöhnt? Oder zuckt ihr noch zusammen, wenn ihr lest, dass „Einsatzkräfte“ (ich weigere mich, diese Schlägertruppe „Beamte“ zu nennen) einen unbewaffneten Krankenpfleger auf offener Straße exekutiert haben?

Willkommen im Januar 2026. In den USA regiert das Chaos, angepeitscht von einem Weißen Haus, das Fakten wie lästige Insekten zerklatscht. In Minneapolis wurde am Wochenende Alex Pretti ermordet. Ja, ermordet. Wer sich die Videos ansieht – und zwar die echten, nicht die bearbeiteten Standbilder aus dem Heimatschutzministerium –, sieht keinen „Attentäter“. Man sieht einen Mann, der helfen wollte. Einen Mann, der ein Handy hielt, keine Knarre.


Die Anatomie einer staatlichen Lüge

Es ist immer dasselbe Drehbuch. Erst knallen sie dich ab, dann dichten sie dir eine Story an. Stephen Miller, dieser architektonische Mastermind des Hasses, tippt schneller auf X als sein Gewissen (falls vorhanden) reagieren kann: „Attentäter!“ schreit er. JD Vance, der personifizierte Opportunismus, teilt es brav. Kristi Noem faselt von einem „Massaker an Polizisten“, das verhindert wurde.

Aber Moment mal. Schauen wir uns die „Fakten“ an, die diese Herrschaften so gerne verbiegen:

  1. Die Waffe: Wo war sie? Die Videos der Augenzeugen zeigen Pretti mit einem Handy. Selbst der vorläufige Bericht der Grenzschutzbehörde CBP – wohlgemerkt eine eigene Behörde der Regierung! – erwähnt mit keinem Wort, dass Pretti nach einer Waffe gegriffen hat.
  2. Die Notwehr: Sechs gegen einen? Sechs maskierte, schwer bewaffnete Gestalten werfen einen 37-jährigen Krankenpfleger zu Boden, schlagen auf ihn ein, sprühen ihm Reizgas ins Gesicht – und dann fühlen sie sich „bedroht“? Seit wann ist Widerstand gegen eine brutale Tracht Prügel ein Todesurteil?
  3. Die Beweise: Warum musste erst ein Richter eine einstweilige Verfügung erlassen, damit die Bundesbehörden die Beweise nicht „vernichten oder verändern“? Wenn man im Recht ist, muss man doch nichts verschwinden lassen, oder?

Fragen, die wehtun (und die niemand im Weißen Haus beantworten will)

  • Frage 1: Wenn Pretti so gefährlich war, warum zeigen die Bodycam-Aufnahmen – die die Regierung unter Verschluss halten wollte – laut New York Times eben nicht, dass er eine Waffe zog?
  • Frage 2: Wer hat eigentlich den ersten Schuss abgegeben? Und warum wurde danach noch weitergeballert, als er schon am Boden lag? Ist das „Deeskalation“?
  • Frage 3: Warum nennt Stephen Miller einen unbescholtenen, nicht vorbestraften Krankenpfleger einen „Attentäter“, bevor die Leiche überhaupt kalt ist? Geht es hier um Strafverfolgung oder um stochastischen Terrorismus gegen Kritiker?
  • Frage 4: Was macht eigentlich die ICE (Immigration and Customs Enforcement) in einer Stadt wie Minneapolis, um einen Mann wegen „häuslicher Gewalt“ zu jagen, während sie gleichzeitig Demonstranten wie Freiwild behandelt? Seit wann ist die Einwanderungsbehörde die Schlägertruppe für alles?
  • Frage 5: Wie kann Trump heute behaupten, der Vorfall sei „sehr traurig“ und man müsse „deeskalieren“, nachdem er tagelang das Klima für genau diese Gewalt angeheizt hat? Ist das die neue Strategie: Erst Benzin gießen, dann den Feuerwehrmann spielen?

Das Muster des Faschismus: Von Renée Good zu Alex Pretti

Wir dürfen nicht vergessen: Alex Pretti ist kein Einzelfall. Erst vor wenigen Wochen wurde Renée Good in ihrem Auto erschossen. Wieder ICE. Wieder die Behauptung: „Notwehr“. Wieder zeigten Videos: Gelogen.

Es geht hier nicht um „Einzelschicksale“. Es geht um eine Systematik. Wenn man Menschen (egal ob Migranten oder solidarische Mitbürger) systematisch entmenschlicht, wenn man sie als „Eindringlinge“, „Störer“ oder „Terroristen“ markiert, dann ist der Finger am Abzug locker. Das ist genau das, was wir hier in Deutschland von der AfD und ihren neofaschistischen Ablegern hören. Dieselbe Rhetorik, dasselbe Ziel: Die Einschüchterung der Zivilgesellschaft durch nackte Gewalt.

Was ist der Unterschied zwischen einer Polizei und einer Miliz? Die Polizei schützt das Gesetz. Eine Miliz schützt den Anführer. Wenn Truppen des Bundes ohne Kennzeichnung, maskiert und ohne Rücksprache mit lokalen Behörden Bürger exekutieren, dann haben wir die Grenze zum autoritären Polizeistaat nicht nur erreicht, wir sind mitten drin.

Wer stoppt diesen Wahnsinn?

Gouverneur Tim Walz hat recht: Man kann dieser Regierung nicht trauen. Dass Minnesota jetzt die Nationalgarde einsetzt, um die eigenen Bürger vor den Bundeskräften zu schützen, ist ein historischer Tiefpunkt. Es ist ein offener Krieg zwischen Rechtsstaat und Willkürherrschaft.

Kristi Noem muss weg. Aber sie ist nur ein Symptom. Das System Trump/Miller/Vance nutzt die ICE als ihre persönliche Prätorianergarde. Sie testen aus, wie weit sie gehen können. Erst Minneapolis, dann Chicago, dann überall?

Fakten-Check für die Geschichtsbücher:

  • Alex Pretti war Krankenpfleger.
  • Alex Pretti war berechtigt, eine Waffe zu tragen, hat sie aber laut Augenzeugen und erstem Untersuchungsbericht nicht gegen die Beamten eingesetzt.
  • Alex Pretti wurde von mindestens sechs Männern überwältigt und dann erschossen.

Das ist die Wahrheit. Alles andere ist Propaganda für die nächste Wahlkampfrede in Mar-a-Lago.


Was denkst du? Ist die Eskalation in Minneapolis der Vorbote für ein noch härteres Vorgehen gegen jede Form von Protest? Sollen wir zusehen, wie der Rechtsstaat unter „Heimatschutz“-Stiefeln zerquetscht wird?

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