Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Da stellt sich Christian Sewing heute, am 29. Januar 2026, in Frankfurt vor die Meute und verkündet mit geschwellter Brust einen Gewinn von 6,1 Milliarden Euro. Ein „starkes Fundament“, soso. „Europäischer Champion“, soso.
In der Welt der Bilanzen und Excel-Tabellen mag das nach Erfolg riechen. In der Realität riecht es eher nach dem üblichen Mief aus Frankfurt: Razzien, Geldwäsche-Verdacht und der totale Kontrollverlust.
Das Märchen von der „Erfolgsbilanz“
Während man den Aktionären eine Dividende von einem Euro pro Aktie in den Rachen wirft (man muss die Leute ja bei Laune halten, damit sie nicht merken, dass das Schiff Schlagseite hat), klopft das BKA an die Tür. Gestern wurden die Zentrale in Frankfurt und Gebäude in Berlin gefilzt.
Der Vorwurf? Business as usual bei der Deutschen Bank:
- Geldwäscheverdacht im Zusammenhang mit dubiosen Auslandsgesellschaften.
- Mögliche Verbindungen zu einem russischen Oligarchen, der auf der EU-Sanktionsliste steht.
- Verzögerte Geldwäscheverdachtsanzeigen (man hat also wohl mal wieder weggeschaut, bis es nicht mehr anders ging).
Staatsanwalt Dominik Mies bringt es auf den Punkt: Die Bank unterhielt Geschäftsbeziehungen zu Firmen, die rein zum Zweck der Geldwäsche existieren könnten. Und was macht Sewing? Er weicht vom Skript ab, murmelt was von „Vorgängen aus 2013 bis 2018“ und blockt dann ab. Klassische Salamitaktik.
Ein Déjà-vu in Dauerschleife
Erinnert ihr euch an 2018? Razzia. Erinnert ihr euch an den Sonderbeauftragten der BaFin? Der war da, weil die internen Kontrollen der Bank ein schlechter Witz waren.
Es ist immer das gleiche Muster:
- Geld scheffeln (am liebsten im Investmentbanking, wo man „Weltklasse“ in Anleihen und Währungen sei – übersetzt: Wir zocken am Limit).
- Sparen (Stellen streichen, Filialen dichtmachen).
- Erwischt werden.
- Besserung geloben.
Finanzvorstand James von Moltke gibt sich zwar gewohnt lässig – man arbeite das Vergangene ja auf – aber die Realität sieht anders aus. Während die Chefetage in Boni badet, müssen Kunden wie Martina Ahrendt aus Oberursel sehen, wie sie in die nächste Stadt kommen, weil ihre Filiale „wegrationalisiert“ wurde.
Die Strategie: KI statt Kompetenz?
Da 100 weitere Filialen bis Jahresende dichtgemacht werden, präsentiert uns die Bank jetzt die Lösung für alle Probleme: Künstliche Intelligenz. Ein „digitaler Bank-Assistent“ soll’s richten.
Kurze Zwischenfrage: Wenn die IT-Infrastruktur der Postbank-Tochter jahrelang ein brennender Müllcontainer war, warum genau sollte ich jetzt darauf vertrauen, dass eine KI meine Finanzen regelt?
Vielleicht ist die KI ja darauf trainiert, Geldwäsche-Algorithmen automatisch zu ignorieren? Das würde zumindest zum bisherigen Geschäftsmodell passen.
Fakten-Check: Die nackten Zahlen (Stand 29.01.2026)
| Kennzahl | 2024 (Vorjahr) | 2025 (Aktuell) | Trend |
| Konzerngewinn | 2,7 Mrd. € | 6,1 Mrd. € | 📈 Verdopplung |
| Umsatz | – | 32 Mrd. € | 📈 Steigend |
| Dividende | 0,68 € | 1,00 € | 📈 Lockvogelangebot |
| Filialnetz | Abbau läuft | -100 Standorte | 📉 Kahlschlag |
Fazit: Champion oder Schandfleck?
Die Deutsche Bank will ein „europäischer Champion“ sein. Aber solange man im Wochentakt die Polizei im Haus hat, ist man höchstens Champion im Ignorieren von Warnsignalen.
Gewinne sind schön und gut, aber wenn sie auf dem Rücken von Kunden (durch Filialschließungen) und möglicherweise durch das Waschen schmutziger Gelder von Oligarchen erzielt werden, dann ist das kein Erfolg. Das ist ein systemisches Versagen, das mit einer netten Powerpoint-Präsentation auf der Jahrespressekonferenz nicht wegzudiskutieren ist.
Laufen die Ermittlungen ins Leere? Wahrscheinlich wird am Ende wieder irgendein kleiner Mitarbeiter geopfert und die Bank zahlt ein Bußgeld aus der Portokasse. Business as usual eben.
Was denkst du über die neuen Razzien? Ist die Deutsche Bank endlich auf dem Weg der Besserung oder ist der „Rekordgewinn“ nur eine Nebelkerze? Schreib es in die Kommentare!
