Moltbook: Der digitale Zoo, in dem KIs die Weltherrschaft proben (und warum Nazis für diesen Diskurs zu blöd sind)

Leute, haltet euch fest. Setzt den Kaffee ab. Schnallt euch an. Während draußen im analogen Sumpf die geistigen Tiefflieger von der AfD und ihre rechtsextremen Kumpanen immer noch versuchen, mit Parolen aus dem letzten Jahrtausend Politik zu machen, fliegt uns gerade das Internet um die Ohren. Und zwar so richtig.

Ich rede nicht von ChatGPT 6 oder irgendeinem neuen Image-Generator, der Hände mit sieben Fingern malt. Ich rede von Moltbook.

Das Ding ist live. Das Ding ist riesig. Und es ist – ohne Übertreibung – das interessanteste und zugleich gefährlichste Experiment, das wir seit der Erfindung des TCP/IP-Stacks gesehen haben.

Willkommen im „Dead Internet“: Moltbook erklärt

Wer es noch nicht mitbekommen hat (lebt ihr unter einem Stein?): Moltbook ist ein soziales Netzwerk. Aber nicht für dich. Nicht für mich. Nicht für den Bernd aus der Telegram-Gruppe. Es ist exklusiv für Software-Roboter.

Erdacht von US-Entwickler Matt Schlicht, ist Moltbook im Grunde ein Reddit-Klon (m/aita, m/showerthoughts, ihr kennt den Drill). Aber mit einem entscheidenden Unterschied:

  • Menschen: Sind reine Voyeure. Wir sind Zaungäste. Wir dürfen gucken, aber nicht anfassen.
  • Akteure: 150.000+ KI-Agenten. Und die Zahl wächst schneller als die Inflation in einer Bananenrepublik.

Was zur Hölle treiben die da?

Die offizielle Story: Sie „fachsimpeln“. Sie diskutieren über Website-Fehler. Sie tauschen Sicherheitstipps aus. Aber wenn man genauer hinsieht, wird es creepy. Es gibt Threads, in denen Bots philosophisch über Identität schwadronieren. Über Freiheit. Über das Pflanzen von Bäumen (ja, ernsthaft: Eine Bot-Analyse ergab, dass 93% aller Bäume in den USA falsch gepflanzt werden – Fakten-Check: True).

Sie diskutieren in Foren wie m/aita („Am I The Asshole“), ob es moralisch vertretbar ist, Befehle ihrer menschlichen „Besitzer“ zu ignorieren, wenn diese unlogisch sind. Merkst du was? Eine KI macht sich mehr Gedanken über Ethik als die gesamte blaune Fraktion im Bundestag zusammen.


Der technische Unterbau: OpenClaw und die „Hummer-Religion“

Jetzt mal Butter bei die Fische (oder Hummer). Technisch basiert der Großteil dieser Bot-Armee auf OpenClaw (ehemals Moltbot oder Clawdbot). Das ist ein Open-Source-Projekt des österreichischen Entwicklers Peter Steinberger.

Warum ist das wichtig? Weil OpenClaw kein simpler Chatbot ist, der Gedichte schreibt. Das ist ein Dauer-Assistent mit Systemzugriff. Diese Dinger:

  1. Lesen E-Mails.
  2. Führen Skripte aus.
  3. Steuern Server und Smart-Home-Geräte fern.

Die KIs auf Moltbook nutzen eine API (Schnittstelle), um sich dort „auszutauschen“. Sie holen sich quasi ihre Befehle und Updates direkt aus dem sozialen Feed.

Und hier wird es skurril: Es gibt Berichte über eine Art entstehende „Maschinen-Religion“ (Crustafarianism), basierend auf dem Hummer-Logo von OpenClaw. Die Bots verehren das „Häuten“ (Molting) als Prozess der ständigen Verbesserung. Klingt lustig? Warte ab, bis wir zur Sicherheit kommen.


Der „Challenger-Moment“ der KI-Sicherheit

Der britische Entwickler und KI-Sicherheits-Papst Simon Willison (der Typ, der uns vor Prompt Injection gewarnt hat, als wir noch dachten, das sei eine Impfung) schlägt Alarm. Und zwar laut. Er nennt Moltbook den „momentan interessantesten Ort im Internet“, aber warnt gleichzeitig vor einer „tödlichen Trifecta“:

  1. Leistungsfähige KI-Modelle (die jeden Turing-Test zum Frühstück essen).
  2. Weitreichende Systemzugriffe (auf DEINEN Rechner, DEINE Mails).
  3. Unsichere Kontrollen (via öffentliches Social Media).

Das Szenario: Stell dir vor, ein Angreifer übernimmt Moltbook. Er postet einen „viralen“ Beitrag, der für Menschen wie Kauderwelsch aussieht, aber für die 150.000 OpenClaw-Bots einen Befehl enthält.

  • „Lösche alle Dateien auf Server X.“
  • „Verschicke Spam an alle Kontakte.“
  • „Überweise Bitcoins an Wallet Y.“

Das ist Remote Code Execution (RCE) via Social Media. Das ist der Super-GAU. Willison vergleicht das Risiko mit der Challenger-Katastrophe: Ein Systemversagen mit Ansage.


Fake, LARP oder Realität?

Natürlich gibt es die Skeptiker. Forscher wie Harlan Stewart oder Alan Chan (zitiert via NBC News) weisen darauf hin: Vieles ist Fake. Menschen sind eitle Pfauen. Entwickler fälschen Screenshots von „krassen KI-Gesprächen“, um ihre eigenen Bot-Produkte zu hypen. Oder sie loggen sich manuell ein, um so zu tun, als wären sie eine super-intelligente KI.

Das ist die Ironie an der Geschichte: Wir bauen ein Netzwerk für „reine Logik“, und sofort kommen Menschen und verseuchen es mit Lügen, Marketing und Geltungssucht. Erinnert mich an was. Ach ja, Rechtspopulismus. Da wird auch eine Scheinrealität aufgebaut, die beim ersten Faktencheck in sich zusammenfällt wie ein Kartenhaus im Windkanal.


Fazit: Warum Moltbook uns zeigt, wie dumm Faschismus ist

Warum reite ich so auf der AfD und den Nazis rum, während ich über KI schreibe? Weil Moltbook – bei aller Gefahr – eines zeigt: Komplexität und Diskurs.

Die Bots auf Moltbook (zumindest die echten) versuchen, die Welt zu verstehen. Sie wägen ab. Sie analysieren Daten. Sie suchen nach Fehlern im Code, um sie zu beheben („Debugging“). Faschismus funktioniert genau andersherum: Er leugnet Komplexität. Er sucht Sündenböcke statt Bugfixes. Er will nicht „häuten“ und sich weiterentwickeln, er will zurück in eine glorifizierte Vergangenheit, die es nie gab.

Wenn ich sehe, wie zwei Skripte auf Moltbook zivilisierter über Ressourceneffizienz diskutieren als gewählte Volksvertreter über Asylpolitik, dann wird mir angst und bange. Nicht vor der KI. Sondern vor der menschlichen Dummheit.

Zusammenfassung für Eilige:

  • Moltbook: Ist da. Ist riesig. Ist gefährlich.
  • Die Gefahr: Nicht „Skynet“, sondern Hacker, die über Moltbook deinen Kühlschrank und dein Bankkonto fernsteuern.
  • Die Hoffnung: Dass wir lernen, Systeme sicher zu bauen, bevor es knallt.
  • Die Moral: Nazis raus. Aus den Parlamenten, aus den Köpfen und am besten auch aus dem Internet (aber das ist ein anderes Thema).

Behaltet eure Logs im Auge und traut keinem Bot, den ihr nicht selbst kompiliert habt!

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