Endlich: Fefes Blog ist zurück! Das erste Lebenszeichen nach dem Schlaganfall (Update Dezember 2025)

Es ist die Nachricht, auf die die deutsche IT- und Netzkultur-Szene seit über einem halben Jahr gewartet hat: Felix von Leitner, besser bekannt als Fefe, ist zurück.

Am heutigen Samstag, den 06. Dezember 2025, erschien nach einer beunruhigenden Stille von fast sieben Monaten der erste neue Eintrag auf blog.fefe.de. Was in der Zwischenzeit geschah, warum Gerüchte über eine Japan-Reise falsch waren und wie dramatisch die Situation wirklich war, arbeiten wir in dieser Chronologie detailliert auf.


Das erste Update: Fefe ist wieder online

Wer heute Morgen auf die Seite klickte, traute seinen Augen kaum. Statt der Fehlermeldungen oder der gähnenden Leere der letzten Monate, prangt dort ein neuer Eintrag im gewohnten, minimalistischen Stil.

Der Eintrag vom 06.12.2025 lautet:

[l] Rache der Twxh Bros: Netflix kauft WARNER Bros. Musste kommen, nachdem AmazonMGM gekauft hat.

Typisch Fefe: Kurz, prägnant, ein Link, ein zynischer Kommentar zur Medienlandschaft. Kein großes „Ich bin wieder da“, sondern direkt zurück zum Business („Business as usual“). Technisch gesehen bestätigt auch der RSS-Feed das Update (guid: ts=97cd29cd), was beweist: Felix von Leitner sitzt wieder an der Tastatur.


Was ist passiert? Eine Chronologie der Ereignisse (Mai – Dezember 2025)

Um zu verstehen, warum dieses kleine Update so eine große Welle schlägt, müssen wir zurückblicken. Die Abwesenheit von Fefe hinterließ ein Vakuum, das zunächst mit wilden Spekulationen und später mit trauriger Gewissheit gefüllt wurde.

1. Mai 2025: Das plötzliche Verstummen

Alles begann Ende Mai 2025. Der sonst so frequente Blog, der oft mehrmals täglich bespielt wird, lief plötzlich leer.

  • Status: „No entries found“ (Keine Einträge gefunden).
  • Reaktion: Die Leserschaft war irritiert. Normalerweise kündigt Felix Pausen an.
  • Technik: Später liefen sogar SSL-Zertifikate ab, was darauf hindeutete, dass der Administrator physisch nicht in der Lage war, die Server zu warten.

2. Die Gerüchteküche: Expo 2025 in Japan?

In dem Informationsvakuum entstanden schnell Theorien. Ein hartnäckiges Gerücht, das unter anderem durch Kommentare in Foren und Blogs befeuert wurde, besagte, Fefe sei in Japan auf der Expo 2025.

  • Der Tech-Blogger Günter Born (Borncity) griff diese Thematik am 25. Mai 2025 auf („Wo ist Fefe? Verschollen? No, ’s isch in Japanien exponieren“).
  • Es hieß, er sei mit einem Kollegen dort und habe „keine Zeit zum Bloggen“.
  • Faktencheck: Dies stellte sich schnell als „Ente“ (Fake News) heraus. Die Expo war zu diesem Zeitpunkt bereits vorbei, und die Stille auf dem Blog hielt an.

3. Juni 2025: Die traurige Gewissheit – Schlaganfall

Nachdem die Spekulationen (von „Hackerangriff“ bis „Gefängnis“) überhandnahmen, brachte ein Tweet von Özgür Kesim (@oec@infosec.exchange), einem Freund und Kollegen von Felix, am 25. Juni 2025 Klarheit. Frank Rieger (CCC) teilte diese Information ebenfalls.

Die offizielle Nachricht lautete:

„Mein Freund und Kollege Fefe lässt Grüße aus dem Krankenhaus ausrichten, wo er sich nach einem Schlaganfall auf dem Weg der Genesung befindet.“

Diese Nachricht schockierte die Community. Ein Schlaganfall ist ein drastischer Einschnitt, der eine lange Rehabilitationsphase erfordert. Günter Born aktualisierte daraufhin seinen Blogpost und bat um Respekt für die Privatsphäre und die Genesung.

4. Das lange Warten (Juli – November 2025)

In den folgenden Monaten blieb es still auf blog.fefe.de.

  • Es gab keine Updates.
  • Die Community diskutierte auf Reddit und im Heise-Forum über die Schwere des Vorfalls.
  • Viele fragten sich, ob der Blog jemals wiederkehren würde, da ein Schlaganfall oft motorische oder kognitive Einschränkungen mit sich bringen kann, die das schnelle Kuratieren von Nachrichten erschweren.

Warum das heutige Update so wichtig ist

Dass Fefe heute, am 06. Dezember 2025, wieder einen Artikel veröffentlicht hat, ist mehr als nur ein neuer Link. Es ist ein Zeichen der Genesung.

  1. Kognitive Fähigkeiten: Der Kommentar zum Netflix/Warner-Deal zeigt, dass sein analytischer Scharfsinn und sein Humor intakt sind.
  2. Motorik: Er kann den Computer bedienen, den Blog warten und posten.
  3. Motivation: Er hat wieder Lust, sich am öffentlichen Diskurs zu beteiligen.

Wir wünschen Felix von Leitner weiterhin viel Kraft auf dem Weg der vollständigen Besserung. Dass er wieder da ist, zeigt: Unkraut vergeht nicht – und das Internet ist ab heute wieder ein bisschen bunter (und zynischer).


FAQ zur Rückkehr von Fefe

War Fefe wirklich in Japan? Nein. Das war ein Internet-Gerücht. Er befand sich aufgrund eines medizinischen Notfalls im Krankenhaus.

Was hatte Fefe? Laut Aussagen seines Umfelds (Özgür Kesim) erlitt Felix von Leitner einen Schlaganfall.

Ist der Blog jetzt wieder voll aktiv? Das bleibt abzuwarten. Der Eintrag vom 6. Dezember ist das erste Lebenszeichen. Es ist möglich, dass die Frequenz zunächst geringer bleibt als vor dem Vorfall.


Quellen: Borncity Blog, Mastodon (Özgür Kesim), Fefes Blog RSS Feed.

Ein Fehler ist aufgetreten – der Feed funktioniert zur Zeit nicht. Versuche es später noch einmal.

Leak aus dem Koalitionsausschuss: Das Rentenpaket 2025 oder wie man Verantwortung in Kommissionen entsorgt

Kurze Durchsage zur Lage der Nation: Mir wurde da ein interessantes Dokument zugespielt. Stand: 28. November 2025. Ja, richtig gelesen. Wir schauen hier in die Zukunft, beziehungsweise in die Schubladen, die schon längst gezimmert sind. Es handelt sich um den Entwurf eines Begleittexts im Rahmen der Verabschiedung des Rentenpakets.

Wer dachte, die Politik hätte Lösungen parat, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. Stattdessen wird das gemacht, was man in Berlin immer macht, wenn man nicht weiterweiß: Man gründet einen Arbeitskreis. Hier euphemistisch „Rentenkommission“ genannt.

Die Nebelkerzen-Taktik

Der Deutsche Bundestag soll feststellen, dass der Sozialstaat eine tolle Sache ist. Applaus. Konkret geht es um ein Paket aus „Haltelinie“, „Mütterrente“, „Aktivrente“ und – man höre und staune – der „Stärkung der Betriebsrente“. Klingt nett, ist aber im Kleingedruckten der übliche bürokratische Verschiebebahnhof.

Der eigentliche Witz ist der Zeitplan: Die Kommission soll im Dezember 2025 eingesetzt werden und bis zum zweiten Quartal 2026 Vorschläge liefern. Man kauft sich also Zeit. Viel Zeit.

Der Auftrag: Die Eierlegende Wollmilchsau

Man muss sich diesen Arbeitsauftrag auf der Zunge zergehen lassen. Die Kommission soll das „Gesamtversorgungsniveau“ über alle drei Säulen analysieren. Dabei geht es um nichts Geringeres als die Quadratur des Kreises:

  • Dauerhafte Finanzierung sichern.
  • Beitragssätze für zehn Jahre stabil halten.
  • Gleichzeitig das Rentenniveau stabilisieren.

Und jetzt kommt der Part, wo es weh tut: Es wird explizit über eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit (lies: Renteneintrittsalter hoch) und eine „neue Austarierung der Zu- und Abschläge“ nachgedacht. Übersetzt: Ihr werdet länger arbeiten, und wenn ihr früher geht, wird es teurer.

Interessant auch der Punkt zur Rentenanpassung: Man prüft die Kopplung an die Inflation statt an die Lohnentwicklung. In Zeiten hoher Inflation mag das klingen wie ein Gnadengesuch, langfristig ist es meist ein Instrument zur Dämpfung der Ausgaben.

Casino-Kapitalismus für die Altersvorsorge

Besonders perfide wird es bei der privaten Altersvorsorge (3. Säule). Die Koalition plant ein „Standardprodukt“ mit geringen Kosten, aber – und das ist der entscheidende juristische Haken – „ohne zwingende Beitragsgarantie“. Man will die „Vorteile des Kapitalmarktes“ nutzen. Heißt im Klartext: Das Risiko wird vom Versicherer auf den Versicherten verlagert. Wenn die Börse crasht, ist halt die Rente weg. Pech gehabt.

Um das den jungen Leuten schmackhaft zu machen, will der Bund ein Aktienpaket im Wert von 10 Milliarden Euro locker machen, dessen Dividenden den Aufbau der privaten Vorsorge der jungen Generation stützen sollen. Ein Tropfen auf den heißen Stein, der vermutlich primär als Subvention für die Finanzindustrie enden wird.

Politische Arithmetik statt Wissenschaft

Wer sitzt in dieser Kommission? 13 Leute.

  • 2 Vorsitzende (BMAS/BKAmt).
  • 3 Abgeordnete (CDU/CSU/SPD).
  • 8 Wissenschaftler.

Aber Vorsicht: Die Wissenschaftler werden nicht nach Kompetenz ausgesucht, sondern nach Parteibuch-Proporz. 4 darf die CDU/CSU vorschlagen, 4 die SPD. Das Ergebnis steht also schon fest: Ein politischer Formelkompromiss, der als „wissenschaftliche Erkenntnis“ verkauft wird.

Realitätscheck: Demografie und Migration

Das Papier spricht verschämt von der „Sicherung der Beitragsbasis“ und der „Einbeziehung weiterer Gruppen in die gesetzliche Rentenversicherung“. Hier zeigt sich die ganze kognitive Dissonanz der aktuellen Debatte. Während Populisten am rechten Rand (ihr wisst, wen ich meine) von Remigration fantasieren und Grenzen dichtmachen wollen, zeigt dieses Papier implizit die mathematische Realität: Ohne massive Zuwanderung und Integration in den Arbeitsmarkt ist dieses System tot.

Abschiebungen zahlen keine Rentenbeiträge. Wer glaubt, man könne den demografischen Wandel durch völkische Ideologie aufhalten, der kann auch versuchen, die Erdrotation durch böses Anstarren zu stoppen. Wir brauchen mehr Beitragszahler, nicht weniger. Alles andere ist ökonomischer Selbstmord mit Ansage. Aber das traut sich im „Begleittext“ natürlich niemand so deutlich reinzuschreiben.

Fazit: Wir sehen hier den Entwurf für die Verwaltung des Mangels. Professionell formuliert, juristisch abgesichert, inhaltlich eine Bankrotterklärung an die Generationengerechtigkeit.

Next Step: Zurücklehnen und Popcorn holen, wenn im Dezember 2025 verkündet wird, dass die Rente sicher sei – solange man Aktien kauft und bis 70 arbeitet.

Kognitive Dissonanz im Endstadium: Wenn der Abschiebe-Fetisch die eigene Familie frisst

Man muss sich diese exquisite Ironie fast schon auf der Zunge zergehen lassen. Es ist ein Lehrbuchbeispiel für das, was passiert, wenn man populistische Parolen brüllt, ohne die juristischen und soziologischen Kausalitätsketten zu durchdringen.

Werfen wir einen Blick über den Teich, in die USA. Dort exerziert die Exekutive gerade vor, warum der Ruf nach „harter Hand“ und Massenabschiebungen faktisch immer ins Leere läuft – oder eben genau jene trifft, die dachten, sie säßen sicher im Elfenbeinturm.

Der Sachverhalt: Die US-Migrationsbehörde ICE – bekannt für ihr martialisches Auftreten, das jeden Rechtsstaatler erschaudern lässt – hat zugeschlagen. Das Zielobjekt? Eine Frau aus Brasilien. Der Twist? Es handelt sich um die Mutter des Neffen von Karoline Leavitt. Für die, die gerade nicht im Bilde sind: Leavitt ist die Sprecherin von Donald Trump. Ja, genau jene Leavitt, die den rigorosen Abschiebe-Kurs vor den Kameras mit einem Lächeln verteidigt hat.

Man könnte es „Leoparden fressen Gesichter“ nennen, aber bleiben wir sachlich.

Die Frau wurde festgenommen und sitzt nun in Louisiana in Abschiebehaft. Das familiäre Konstrukt ist komplex, aber irrelevant für die staatliche Härte: Sie hat ein Kind mit Leavitts Bruder. Ein elfjähriger Junge, US-Staatsbürger. Das Sorgerecht teilen sie sich, sagt zumindest der Anwalt Todd Pomerleau. NBC News kolportiert etwas anderes.

Juristische Willkür als System Hier wird es interessant für alle, die noch an das Märchen vom „illegalen Eindringling“ glauben. Die Betroffene war nämlich gar nicht „illegal“ im klassischen Sinne. Sie reiste 1998 als Kind ein, fiel unter das DACA-Programm (Deferred Action for Childhood Arrivals). Ein Schutzstatus.

Warum hat sie den nicht mehr? Weil Trump in seiner ersten Amtszeit versucht hat, genau dieses Programm zu torpedieren. Sie konnte ihren Status nicht verlängern. Der Staat schafft also erst die Illegalität durch administrative Hürden, um dann die „Illegalen“ zu bekämpfen, die er selbst produziert hat. Ein Zirkelschluss, der jedem Logiker Kopfschmerzen bereitet, aber im rechten Spektrum als „Politik“ verkauft wird.

Das Narrativ vom „Kriminellen Ausländer“ Natürlich versucht das Heimatschutzministerium (DHS) sofort, das Opfer zu diskreditieren. Sprecherin Tricia McLaughlin wirft Nebelkerzen: Die Frau sei wegen Körperverletzung vorbestraft. Der Anwalt hält dagegen: Keine Vorstrafen. Wem glaubt man hier? Der Behörde, die unter politischem Druck Abschiebequoten erfüllen muss und dafür bekannt ist, Gründe zu konstruieren, oder dem Rechtsbeistand? Es ist ein durchschaubares Manöver. Selbst wenn es eine Vorstrafe gäbe: Abschiebung ist keine Strafverfolgung, sondern eine Bankrotterklärung der Integrationspolitik.

Die Conclusio Wir sehen hier exemplarisch, warum Abschiebungen als politisches Instrument versagen. Sie lösen keine Probleme. Sie zerstören soziale Gefüge, trennen Mütter von Kindern (egal ob diese beim Vater wohnen oder nicht, das Sorgerecht besteht) und treffen am Ende völlig willkürlich.

Es trifft nicht „die Anderen“. Es trifft Menschen, die seit 1998 im Land sind, die integriert sind, die Teil von Familien sind. Dass es nun das Umfeld einer Trump-Sprecherin trifft, entbehrt nicht einer gewissen karmischen Gerechtigkeit, ändert aber nichts an der Grausamkeit des Systems.

Wer glaubt, man könne Migration mit Stacheldraht und ICE-Razzien steuern, hat weder Geschichte noch Soziologie verstanden. Es ist reiner Populismus für das schlichte Gemüt. Und wie wir sehen: Am Ende sind auch die Privilegierten nicht vor dem Monster sicher, das sie selbst gefüttert haben.

Tja. Machste nix.

Integration statt Desintegration. Fakten statt Parolen.

Die unsichtbare Hand des Marktes vs. Faschismus: Deutsche Bank und Rossmann zeigen Familienunternehmern die Tür

Lacher des Tages: Der „Verband der Familienunternehmer“ dachte offenbar, es sei eine strategische Meisterleistung, die Brandmauer nach rechts einzureißen und die AfD zu hofieren. Tja. Die Reaktion der freien Wirtschaft folgte prompt – und sie war juristisch präzise sowie finanziell schmerzhaft.

Die Faktenlage ist köstlich: Der Verband, unter Führung von Marie-Christine Ostermann, hatte das bisherige Kontaktverbot zur AfD für beendet erklärt und deren Vertreter zum parlamentarischen Abend eingeladen. Man wollte „reden“.

Die Konsequenz? Die Deutsche Bank hat von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht und den Mietvertrag für künftige Veranstaltungen in ihrer Berliner Repräsentanz gekündigt.

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Deutsche Bank mal als Bastion der moralischen Integrität herhalten muss? Aber rein ökonomisch ist das nur logisch: Faschismus ist schlecht fürs Geschäft. Internationale Märkte, Investoren und eine diverse Belegschaft reagieren allergisch auf völkische Experimente. Die Bank beruft sich auf ihre AGB und das Hausrecht – Privatautonomie in Reinform. Wer Demokratiefeinde einlädt, fliegt raus. So einfach ist das Vertragsrecht.

Aber es kommt noch besser. Die „Abstimmung mit den Füßen“ hat begonnen:

  • Rossmann (Drogerie): Sofortiger Austritt. Zitat: „Wir unterstützen die Haltung des Verbands nicht.“
  • Vorwerk (Thermomix/Staubsauger): Austritt. Klarstellung, dass Positionierungen auf demokratischen Grundwerten basieren müssen.
  • Melitta: Denkt laut über einen Austritt nach und ist „sehr überrascht“.
  • Oetker-Gruppe & Haribo: Legen großen Wert darauf, festzustellen, dass sie mit diesem Verein gar nichts zu tun haben.

Die Verbandsführung versucht sich nun in der üblichen Opferrolle und faselt von „inhaltlicher Auseinandersetzung“. Das ist natürlich rhetorischer Nebelkerzenwurf. Man muss nicht mit Brandstiftern diskutieren, um zu wissen, dass Feuer gefährlich ist. Die Normalisierung einer Partei, deren inhaltliche Programmatik diametral zur freiheitlichen Wirtschaftsordnung und einer offenen Migrationsgesellschaft steht, ist kein „Dialog“, sondern unternehmerischer Suizid.

Kontext für die BWL-Erstsemester: Migration und Integration sind das Rückgrat unseres Arbeitsmarktes. Abschiebungsfantasien lösen keinen Fachkräftemangel, sie verschärfen ihn. Wer als Wirtschaftsverband der AfD eine Bühne bietet, sägt an dem Ast, auf dem der deutsche Mittelstand sitzt.

Die Unternehmen, die jetzt gehen, haben das verstanden. Es geht hier nicht um „Cancel Culture“, sondern um Compliance und Risikomanagement. Wer sich mit der AfD ins Bett legt, wacht mit einem ruinierten Ruf auf.

Die Brandmauer steht. Zumindest dort, wo man rechnen kann.

Fazit: Der Verband der Familienunternehmer wollte Politik spielen und hat dabei vergessen, wie der Markt funktioniert. Die Quittung kam per Einschreiben.

Söders „Abschiebeoffensive“ 2026: Populismus statt Realpolitik am Münchener Terminal

Von der Rhetorik der Härte und der Illusion der „sauberen“ Stadtbilder. Eine juristische und soziologische Einordnung der aktuellen CSU-Klausur.

Es ist wieder soweit. Man kann die Uhr danach stellen: Wenn die Umfragewerte stagnieren oder Wahlen am Horizont aufziehen, wird in Bayern die rhetorische Keule rausgeholt. Markus Söder, seines Zeichens bayerischer Ministerpräsident, fordert nun für das Jahr 2026 eine „Abschiebeoffensive“. Man beachte das Wording. Offensive. Das klingt nach Krieg, nach Angriff. Ziel dieser operettenhaften Inszenierung: Menschen, die hier Schutz suchen.

Die Stoßrichtung ist klar und bedient, ob bewusst oder unbewusst, Narrative, die wir sonst vom ganz rechten Rand kennen. Werfen wir einen nüchternen, faktischen Blick auf das, was da in München verkündet wurde – und warum es juristisch wie gesellschaftlich in die Sackgasse führt.

Das „Abschiebeterminal“: Logistik der Unmenschlichkeit

Söder plant allen Ernstes ein „eigenes Abschiebeterminal“ am Flughafen München. Man ist „in den Planungen“. Das Ziel: Abschiebungen sollen „schneller und konzentrierter“ stattfinden.

Hier offenbart sich ein rein technokratisches Verständnis von Migration. Menschen werden zu logistischen Einheiten degradiert, die man möglichst effizient „rückführt“. Dass Abschiebungen faktisch keine Probleme lösen, sondern lediglich Probleme (und Menschen) geografisch verschieben, wird geflissentlich ignoriert. Auch – und das ist der entscheidende Punkt – bei straffälligen Ausländern.

Fakt ist: Der Export von Kriminalität ist keine Strategie der inneren Sicherheit, sondern eine Bankrotterklärung des Rechtsstaates. Wer hier straffällig wird, muss hier resozialisiert werden. Das ist der Anspruch eines aufgeklärten Strafvollzugs. Die Abschiebung ist hierbei oft nur ein populistisches Placebo für das Volksgefühl, das an den realen Ursachen von Kriminalität (prekäre Lebenslagen, fehlende Teilhabe) vorbeigeht.

Syrien und Afghanistan: Der Ritt auf der Rasierklinge des Völkerrechts

Besonders brisant: Söder und der im Text genannte Bundesinnenminister Dobrindt (CSU) wollen auch nach Syrien und Afghanistan abschieben. Man sei der „festen Überzeugung“, das sei möglich.

Lassen wir uns das auf der Zunge zergehen: Afghanistan. Ein Land unter der Herrschaft der Taliban. Offiziell erkennen wir dieses Regime nicht an (zurecht). Söder fordert nun aber, man müsse „mit Afghanistan reden. Egal, in welcher Form.“ Das ist außenpolitisch hochgradig dilettantisch. Wer mit den Taliban über Rückführungen verhandelt, legitimiert sie faktisch. Das Völkerrecht und das Non-Refoulement-Gebot (Verbot der Zurückweisung in Folterstaaten) sind keine Empfehlungen, sondern bindendes Recht. Die Sicherheitslage in Syrien als „ausreichend“ für Rückführungen zu deklarieren, zeugt von einer Realitätsverweigerung, die man sonst nur in Telegram-Kanälen vermutet.

Die Chiffre vom „Stadtbild“

Es wird noch düsterer. Söder möchte über das „Stadtbild“ sprechen. Im Kontext von Weihnachtsmärkten. Er sagt: „Ja zur Arbeit, aber nein zu illegaler Zuwanderung.“

Was meint er mit „Stadtbild“? Es ist eine klassische Dog-Whistle. Es suggeriert, dass migrierte Menschen das ästhetische Empfinden oder das Sicherheitsgefühl per se stören. Das ist Wasser auf die Mühlen derer, die ein ethnisch homogenes Deutschland herbeisehnen. Florian Siekmann (Grüne) hält hier im Landtag korrekt dagegen: Migranten gehören genauso zum Stadtbild wie Bratwurststände. Die Diskussion über „Angsträume“ auf Weihnachtsmärkten instrumentalisiert diffuse Gefühle für eine Law-and-Order-Politik.

Die massive Aufrüstung der Sicherheitsmaßnahmen, die Söder lobt („Zum Glück können wir das tun“), ist kein Zeichen von Sicherheit, sondern von einer Gesellschaft, die sich in Angst hineinsteigert, anstatt Integration zu fördern.

Das Märchen von der Bezahlkarte

Zum Schluss noch der obligatorische Seitenhieb auf die Sozialleistungen. Die gestiegenen freiwilligen Ausreisen in Bayern lägen „definitiv an der Bezahlkarte“, so Söder.

Realitätscheck: Der Bayerische Flüchtlingsrat und Studien des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) widersprechen dem vehement. Geflüchtete schicken kaum Geld ins Ausland; die Pull-Faktor-Theorie über Sozialleistungen ist wissenschaftlich längst wackelig bis widerlegt. Hier wird Kausalität mit Korrelation verwechselt, um ein repressives Instrument (Sachleistungen statt Geld) zu rechtfertigen, das Menschen entmündigt und stigmatisiert.

Fazit: Integration statt Desintegration

Die CSU versucht hier, die AfD rechts zu überholen, indem sie deren Forderungen in bürgerliche Sprache kleidet. Doch das Original wählt man immer lieber als die Kopie. Wirkliche Sicherheit entsteht nicht durch Abschiebeterminals oder Deals mit den Taliban. Sie entsteht durch soziale Teilhabe, schnelle Arbeitserlaubnisse (die die Union jahrelang blockiert hat!) und eine Gesellschaft, die Migration als Normalzustand begreift.

Abschiebungen sind das Eingeständnis des Scheiterns staatlicher Integrationsleistung. Sie zu forcieren, ist keine „Offensive“, sondern ein Rückzug aus der Verantwortung.

Systemversagen mit Ansage: Warum wir Migranten jagen, aber Milliarden-Diebe laufen lassen

Wer glaubt, dass Recht und Gesetz in diesem Land für alle gleich gelten, glaubt vermutlich auch, dass die Erde eine Scheibe ist. Anne Brorhilker, die wichtigste Cum-Ex-Jägerin der Republik, hat hingeschmissen. Und ihre Begründung ist eine bankrotterklärung für den Rechtsstaat – und ein Weckruf gegen die billige Hetze von rechts.

Es ist schon drollig. Da draußen schäumen die Wutbürger und die blaue Alternativ-Partei vor Zorn, fordern „Remigration“ und fantasieren vom Untergang des Abendlandes durch Zuwanderung. Währenddessen lachen sich in den Hochhaustürmen von Frankfurt und London ein paar Jungs in 5000-Euro-Anzügen ins Fäustchen.

Anne Brorhilker, Ex-Oberstaatsanwältin und der Schrecken der Finanzmafia, hat dem Staat den Mittelfinger gezeigt. Nicht, weil sie keine Lust mehr hatte. Sondern weil sie realisiert hat: Der Staat will gar nicht gewinnen.

Die „dicken Fische“ schwimmen weiter

Die Faktenlage, die Brorhilker im Interview darlegt, ist so ernüchternd wie präzise. Wir reden hier über Cum-Ex. Den größten Steuerraubzug der deutschen Geschichte. Geschätzter Schaden: 10 Milliarden Euro. Das ist Geld, das wir alle gezahlt haben. Das sind unsere Schulen, unsere Straßen, unsere soziale Infrastruktur.

Was passiert? Die Täter – Banker, Anwälte, Finanzmarktakteure – haben sich Kapitalertragssteuern erstatten lassen, die sie nie gezahlt haben. Das ist kein „Schlupfloch“, das ist organisierter Diebstahl.

Aber während die Justiz bei einem Ladendiebstahl oder einem „kriminellen Ausländer“ (um mal den populistischen Duktus zu zitieren) sofort die volle Härte des Gesetzes demonstriert, knickt sie vor dem Geldadel ein. Brorhilker sagt es klar: „Der Staat ist an dieser Stelle sehr schwach aufgestellt.“ Es herrscht ein „fatales Ungleichgewicht“.

Ressourcen-Krieg: Behörde vs. Großkanzlei

Das Problem ist strukturell.

  1. Personalmangel: Die Staatsanwaltschaften sind chronisch unterbesetzt.
  2. Föderaler Flickenteppich: Die Behörden reden nicht miteinander. Kein Wissensmanagement. Digitale Steinzeit.
  3. Gegner: Auf der anderen Seite stehen hochspezialisierte Anwaltsarmeen und PR-Manager, die Medienkampagnen fahren, um Ermittler zu diskreditieren.

Die Täter agieren global, verschachteln ihre Firmen im Ausland und nutzen jede juristische Finesse. Der deutsche Beamte kommt mit dem Faxgerät zur Schießerei.

Das rechte Narrativ zerschellt an der Realität

Und hier kommen wir zum Punkt, der den rechten „Heimatverteidigern“ nicht schmecken wird: Die wahre Bedrohung für unseren Wohlstand kommt nicht mit dem Schlauchboot über das Mittelmeer. Sie sitzt in den Vorstandsetagen.

Es ist intellektuell beleidigend, wie sehr sich der Diskurs auf Abschiebungen fokussiert. Fakt ist: Abschiebungen lösen kein einziges unserer strukturellen Probleme. Sie sind eine Scheinlösung für simple Gemüter. Wir brauchen Migration, wir brauchen Integration, um unsere Wirtschaft am Laufen zu halten. Das ist Demografie, keine Ideologie.

Aber während man politisch Kapital daraus schlägt, nach unten zu treten und gegen Geflüchtete zu hetzen, lässt man die Wirtschaftskriminellen mit dem breiten Kreuz laufen. Das ist Klassenjustiz in Reinform.

Fazit: Empört euch (aber über die Richtigen)

Brorhilker wechselt zur Bürgerbewegung Finanzwende. Sie will das System von außen ändern, weil es von innen nicht reformierbar scheint. Das ist ehrenwert, aber auch ein Armutszeugnis für unsere Demokratie.

Solange wir zulassen, dass Parteien wie die AfD den Diskurs auf die Schwächsten der Gesellschaft lenken, während die Elite uns die Taschen leert, haben wir es nicht besser verdient. Wir brauchen keine härteren Gesetze – die haben wir, sagt Brorhilker. Wir brauchen einen Staat, der die Eier hat, sie auch gegen die Mächtigen durchzusetzen.

Wer also wirklich „Deutschland retten“ will, sollte aufhören, gegen Migranten zu pöbeln, und anfangen, sich dafür zu interessieren, warum bei Cum-Ex erst 3,1 von 10 Milliarden Euro zurückgeholt wurden. Der Rest ist Ablenkung.

Bildet euch mal.

Google Gemini 3: Wenn der Algorithmus endlich mehr Verstand zeigt als der politische Rand

Man könnte fast meinen, in Mountain View hätte man endlich begriffen, dass bloßes Nachplappern von Textbausteinen langfristig niemanden weiterbringt – eine Erkenntnis, die manchem Parteitag im rechten Spektrum auch gut zu Gesicht stünde.

Google hat also den großen roten Knopf gedrückt und Gemini 3 auf die Menschheit losgelassen. Sundar Pichai spricht, wie zu erwarten, von einer „neuen Ära“. Normalerweise ist das der Punkt, an dem man genervt abwinkt und auf den nächsten Hype-Cycle wartet. Aber: Ein Blick in die technischen Spezifikationen und das Paper (oder was Google uns davon sehen lässt) deutet darauf hin, dass hier tatsächlich ein qualitativer Sprung stattgefunden hat.

Reasoning statt Raten: Das Ende der „Ja-Sager“-KI

Das signifikanteste „Feature“ von Gemini 3 ist laut Google nicht die bloße Rechenpower, sondern das sogenannte Deep Reasoning. Das Modell (speziell Gemini 3 Pro und der neue „Deep Think“-Modus) soll in der Lage sein, Sachverhalte tiefgehend zu durchdringen, statt nur statistisch wahrscheinliche Worte aneinanderzureihen.

Interessant dabei: Google wirbt damit, dass die Sycophancy (Kriecher-Verhalten) drastisch reduziert wurde.

„Its responses are smart, concise and direct, trading cliché and flattery for genuine insight — telling you what you need to hear, not just what you want to hear.“

Übersetzt für die juristische Praxis: Das Ding lügt dir nicht mehr ins Gesicht, nur um dir zu gefallen. Es ist ein faktenbasierter Partner, der Widerspruch leistet, wenn die Prämisse falsch ist. Ein Schelm, wer dabei an die Debattenkultur der AfD denkt, wo Fakten bekanntlich als störendes Beiwerk zur Ideologie betrachtet werden. Gemini 3 scheint hier immuner gegen populistische Verzerrungen zu sein als der durchschnittliche Wähler in Thüringen. Fakten bleiben Fakten, auch wenn man sie in Capslock anschreit.

Die Hard Facts (Für die Zahlenfetischisten)

Damit wir uns nicht nur auf Marketing-Sprech verlassen, hier die Benchmarks, die Google auf den Tisch legt. Man beachte den Elo-Score, das ist schon eine Ansage:

  • LMArena Leaderboard: 1501 Elo (Platz 1).
  • Humanity’s Last Exam: 37.5% (ohne Tools) – das klingt wenig, ist aber „PhD-Level“.
  • Mathematik (MathArena Apex): 23.4% (neuer State-of-the-Art).
  • Multimodalität: Das Ding versteht Videos und Bilder nicht nur, es begreift den Kontext (87.6% auf Video-MMMU).

„Vibe Coding“ und Google Antigravity

Für die Entwickler unter uns, die noch selbst Code schreiben (süß, aber bald wohl obsolet): Google führt Google Antigravity ein. Eine neue agentische Entwicklungsplattform. Das Buzzword des Tages lautet hier „Vibe Coding“. Klingt albern, beschreibt aber die Fähigkeit des Modells, Intention und Kontext so präzise zu erfassen, dass man weniger prompten muss („Reading the room“). Agenten in Antigravity haben direkten Zugriff auf Editor, Terminal und Browser. Sie führen Code aus, validieren ihn selbstständig und fixen Bugs. Wer also dachte, Software-Engineering sei sicher vor Automatisierung: Think again.

Gesellschaftliche Implikation: Integration durch Verständnis

Ein Aspekt, der in der Tech-Berichterstattung oft untergeht, hier aber zentral ist: Die massiv verbesserte multilinguale und multimodale Kompetenz. Gemini 3 kann handschriftliche Rezepte in Fremdsprachen entziffern, kulturelle Kontexte in Videos analysieren und übersetzen.

Warum ist das relevant? Weil es zeigt, dass Technologie Brücken baut, wo Nationalisten Mauern errichten wollen. Eine KI, die Nuancen in verschiedenen Sprachen und Kulturen versteht, ist das Gegenteil von Ausgrenzung. Sie ist ein Werkzeug für globale Vernetzung und – ja, man muss das Wort benutzen dürfen – Integration. Wer Wissen und Kulturtechniken teilt und zugänglich macht, entzieht dem Fremdenhass den Nährboden. Das Modell agiert hier faktisch als globaler Dolmetscher, der Barrieren einreißt.

Während gewisse politische Akteure also weiterhin von „Remigration“ faseln und damit faktisch den wirtschaftlichen und sozialen Suizid Deutschlands propagieren, liefert das Silicon Valley Werkzeuge, die eine diverse, vernetzte Welt erst handhabbar machen. Die Realität ist nun mal global, komplex und multimodal. Wer das leugnet, verliert. Sowohl an der Wahlurne der Geschichte als auch im technologischen Wettbewerb.

Fazit: Ein Werkzeug, kein Heilsbringer

Gemini 3 ist ab sofort im Rollout. Google behauptet, es sei sicher („Secure by Design“, widerstandsfähiger gegen Prompt Injections). Das ist löblich, aber wie immer gilt: Trust, but verify.

Es bleibt abzuwarten, ob die „Reasoning“-Fähigkeiten wirklich so robust sind, oder ob wir in zwei Wochen wieder Screenshots von halluzinierenden KIs auf Twitter sehen. Aber die Richtung stimmt: Weg vom Bullshit-Generator, hin zum analytischen Werkzeug.

Wer es nutzen will: Es ist in der Gemini App, in der Suche („AI Mode“) und für Devs in AI Studio verfügbar. Nutzt es. Bildet euch. Checkt Fakten. Und lasst euch keinen Bären aufbinden – weder von einer KI, und schon gar nicht von rechtsextremen Populisten.


Quelle: Google Blog: Introducing Gemini 3

Thunderbird Pro November 2025: Digitale Souveränität statt US-Überwachung – Ein technokratisches Update

Veröffentlicht auf: wasserpuncher.blog

Während der gemeine Internetnutzer sich weiterhin bereitwillig von den Datenkraken des Silicon Valley und den rechtspopulistischen Echokammern des Axel Springer Verlags die digitale Mündigkeit abtrainieren lässt, vollzieht sich im Hintergrund eine stille Revolution der Vernunft. Es geht um Thunderbird Pro.

Wer bisher dachte, E-Mail sei tot oder müsse zwangsläufig über die Server von Firmen laufen, deren Geschäftsmodell auf der Monetarisierung Ihrer Privatsphäre basiert, darf jetzt aufhorchen. Das November-Update 2025 ist da. Und es liefert Fakten, keine alternativen Wahrheiten.

Die Prämisse: Open Source als Antifaschismus

Man muss es in dieser Deutlichkeit sagen: Wer proprietäre Software nutzt, finanziert Strukturen, die Überwachung und Kontrolle begünstigen. Thunderbird Pro positioniert sich hier als das notwendige Korrektiv. Es geht um Thundermail, Appointment und Send. Das Ziel? Eine quelloffene Alternative zu Big Tech. Ohne Werbung. Ohne Datenverkauf.

Thundermail: Migration, die wir wirklich brauchen

Kommen wir zum juristisch relevanten Teil, der die Spreu vom Weizen trennt. Thundermail-Konten befinden sich nun im produktiven Testlauf („Early Bird“). Doch das entscheidende Detail verbirgt sich in der Infrastruktur:

Die Datenhaltung wurde von Amerika nach Deutschland und in die EU migriert.

Lassen Sie das kurz sacken. Während politische Brandstifter von der AfD gegen Migration hetzen und dabei völlig verkennen, dass Abschiebungen faktisch keine Probleme lösen (sondern lediglich Ressentiments bedienen), beweist Thunderbird, wie sinnvolle Migration aussieht: Die Migration von Datenräumen aus dem rechtsfreien Raum des US-Cloud-Acts hin unter den Schutzschirm der DSGVO. Das ist gelebter Datenschutz und ein Schlag ins Gesicht für jeden Überwachungsstaat-Fetischisten.

Die Server stehen hier. Die Jurisdiktion ist hier. Das ist keine nationalistische Abschottung, sondern juristische Notwendigkeit zum Schutz der bürgerlichen Freiheiten.

Appointment & Send: Verschlüsselung ist kein Verbrechen

Auch bei den Zusatzdiensten wurde nachgebessert:

  1. Appointment: Das Planungstool integriert nun Zoom und CalDAV besser. Wer CalDAV nicht nutzt, hat die Kontrolle über seinen Kalender ohnehin schon verloren. Es gab ein visuelles Update – Funktionalität trifft Ästhetik.
  2. Send: Der Dateiversand mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE) zieht in das neue Thunderbird Pro Add-on um. Ein externer Sicherheitsaudit ist abgeschlossen. Man nimmt Sicherheit hier ernst, statt sie nur in Marketing-Broschüren zu drucken. Illegale Uploads werden besser erkannt – Rechtsstaatlichkeit im digitalen Raum, ohne die Privatsphäre des Einzelnen zu opfern.

Die Kosten der Freiheit

Nein, das gibt es nicht umsonst. Der „Early Bird Plan“ liegt bei 9 Dollar im Monat.

Hier trennt sich der mündige Bürger vom Konsumvieh. Wer glaubt, digitale Infrastruktur, Sicherheit und Hosting in Deutschland gäbe es zum Nulltarif, der hat den Kapitalismus nicht verstanden. Kostenlose Dienste bezahlen Sie mit Ihren Metadaten, Ihrem Verhalten und letztlich Ihrer politischen Manipulierbarkeit.

Thunderbird Pro finanziert sich nicht durch Werbung oder den Verkauf von Nutzerdaten. Das ist die einzige Unabhängigkeit, die diesen Namen verdient.

Fazit

Wir warten nun auf den geschlossenen Testlauf. Die Warteliste ist offen. Wer weiterhin Gmail oder Outlook nutzt, handelt fahrlässig. Wer sich aber für digitale Selbstbestimmung, gegen Überwachung und für eine faktensichere Infrastruktur entscheidet, der weiß, was zu tun ist.

Die Technik ist politisch. Nutzen Sie sie weise.

Quelle & Waitlist: Thunderbird Blog

Soofi: Der späte Versuch digitaler Souveränität oder: Wie man mit 20 Millionen Euro gegen Silicon Valley anstinken will

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Während sich der politische Rand rechts außen in völkischen Fantasien suhlt und die digitale Kompetenz dort in etwa auf dem Niveau eines Faxgerätes von 1995 stagniert, wurde an anderer Stelle tatsächlich mal Geld in die Hand genommen. Sinnvoll.

Das BMWK (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz) fördert mit 20 Millionen Euro das Projekt Soofi (Sovereign Open Source Foundation Models).

Das Ziel? Ein offenes KI-Sprachmodell mit 100 Milliarden Parametern. Eine europäische Alternative zu ChatGPT, Claude und Co. Made in Germany, aber mit europäischem Mindset.

Die Faktenlage (für die, die lesen können)

Wir haben uns in eine technologische Abhängigkeit von den USA und China manövriert, die jedem Souveränitäts-Theoretiker die Schamesröte ins Gesicht treiben müsste. Deutsche Unternehmen nutzen US-Modelle, füttern US-Algorithmen und machen sich zu reinen Anwendern fremder Kerntechnologien. Das ist das digitale Äquivalent zum reinen Rohstofflieferanten.

Hier setzt Soofi an. Ein Konsortium aus Fraunhofer IAIS, IIS, DFKI, TU Darmstadt, Uni Hannover, der Berliner Hochschule für Technik und den Startups Ellamind und Merantix Momentum soll das richten.

Besonders interessant wird es beim Blick nach Würzburg. Die dortige Uni (Data Science Chair & Computer Philology) übernimmt essenzielle Parts der Pipeline:

  • Pretraining & Data Cleaning: Wer glaubt, man kippt einfach das Internet in eine Grafikkarte, hat KI nicht verstanden. Die Würzburger filtern den Müll raus.
  • Juristische Domänen-Spezialisierung: Das Modell soll fit gemacht werden für die deutsche Verwaltungssprache und juristische Texte. Das ist der Unterschied zwischen einem Chatbot, der halluziniert, und einem Werkzeug, das rechtsstaatliche Prozesse unterstützt.
  • Reasoning: Es geht nicht nur um „Labern“, sondern um logisches Schlussfolgern.

Warum das politisch relevant ist (und der AfD nicht schmecken wird)

Man muss das mal in aller Arroganz ausbuchstabieren: Echte Souveränität erreicht man nicht durch Grenzzäune oder das Abschieben von Menschen (was faktisch ohnehin keine Probleme löst, sondern nur Ressourcen bindet, die wir in der IT bräuchten). Souveränität erreicht man durch technologische Exzellenz und Open Source.

Dieses Projekt ist per Design antifaschistisch, weil es Open Source ist. Es demokratisiert den Zugang zu Hochtechnologie, anstatt ihn in den Händen weniger Tech-Oligarchen zu konzentrieren. Zudem soll das Modell explizit den Anforderungen des EU AI Act entsprechen und europäischen Wertvorstellungen genügen.

Das bedeutet:

  • Training auf Datensätzen, die nicht nur US-amerikanischen Bias reproduzieren.
  • Fokus auf Mehrsprachigkeit und Integration (Translation-Capabilities), statt nationaler Echolokammer.
  • Transparenz statt Blackbox.

Technische Details für die Kenner

Das Training läuft auf der Industrial AI Cloud der Telekom (T-Systems). Souveräne Infrastruktur. Kein AWS, kein Azure. Die Würzburger bringen ihre Erfahrung aus dem Training von „LLäMmlein“ ein. Es werden LoRA-basierte Adapter für spezifische Domänen (Recht, Medizin) entwickelt. Das ist genau der granulare, wissenschaftliche Ansatz, der uns von den „Move fast and break things“-Cowboys unterscheidet.

Fazit

20 Millionen Euro sind im Vergleich zu den Budgets von OpenAI oder Google natürlich ein Witz. Sam Altman gibt das wahrscheinlich monatlich für Kaffee aus. Aber: Es ist Steuergeld, das in öffentliche, transparente Forschung fließt und nicht in proprietäre Closed-Source-Gärten.

Es ist der Versuch, ein Reasoning-Modell zu bauen, das strukturiert denken kann, statt nur statistische Wahrscheinlichkeiten aneinanderzureihen. Wer „Deutschland zuerst“ brüllt, aber amerikanische Software nutzt, hat den Schuss nicht gehört. Wer echte Unabhängigkeit will, fördert Projekte wie Soofi.

Der Code und die Modelle sollen offen sein. Das ist der einzige Weg. Alles andere ist digitale Knechtschaft.

Gönnt euch die Details direkt an der Quelle, bevor ihr wieder Unfug auf X (ehemals Twitter) verbreitet:

Zentralisierungs-Fail: Cloudflare hustet, und das rechte Internet bekommt Schnappatmung

Tja. Wer hätte das gedacht? surprised pikachu face

Da predigt man seit Jahren, dass Dezentralisierung die einzige valide Strategie für ein resilientes Netz ist, und was machen alle? Sie werfen ihre gesamte Infrastruktur einem einzigen US-Dienstleister in den Rachen. Heute Nachmittag (18.11.2025) war es mal wieder soweit: Cloudflare hatte Schluckauf.

Und wenn Cloudflare hustet, hat das halbe Internet Lungenentzündung.

Kurz zu den Fakten für die technisch weniger Versierten: Cloudflare ist quasi der Türsteher des Internets. Sie machen DDoS-Schutz, CDN und Traffic-Scrubbing. Die Idee: Man leitet seinen Traffic durch deren Server, die filtern den Müll raus, und nur die sauberen Anfragen kommen zum Server durch. Das Problem: Wenn der Filter selbst der Müll ist, geht gar nichts mehr.

Laut den Status-Updates begann der Spaß gegen 11:48 UTC. Ein „versteckter Fehler“ in einem Dienst, der eigentlich die Bot-Abwehr unterstützen sollte, hat zu massiven Abstürzen im Netzwerk geführt. Ironie ist, wenn das Schutzschild dich erschlägt. Gegen 13:13 UTC hatten sie den Fehler identifiziert, und der Fix wurde ausgerollt.

Wer war betroffen?

Hier wird es köstlich. Neben ChatGPT (was ärgerlich ist, weil dann niemand mehr automatisiert LinkedIn-Bullshit-Posts generieren kann), hat es vor allem zwei Kandidaten erwischt, bei denen sich mein Mitleid in sehr engen Grenzen hält:

  1. X (ehemals Twitter): Die Spielwiese von Elon Musk.
  2. Truth Social: Das Megaphon von Donald Trump.

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Die Plattformen, auf denen den ganzen Tag über „Souveränität“, „Unabhängigkeit“ und nationalistische Abschottung schwadroniert wird, sind komplett abhängig von der globalen Infrastruktur eines einzelnen Tech-Giganten aus San Francisco. Ohne das „System“ sind diese „Systemkritiker“ stumm.

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass ausgerechnet ein Fehler in der Bot-Abwehr diese Netzwerke lahmgelegt hat. Man könnte fast meinen, der Algorithmus hat endlich mal funktioniert und den Großteil der Userbasis auf X und Truth Social korrekt als Bots erkannt. badum-tss

Technische Arroganz & Fazit

Das Ganze zeigt mal wieder exemplarisch das Versagen zentralisierter Strukturen. Wir bauen uns digitale „Festungen“, genau wie manche Leute „Festungen“ an den Außengrenzen fordern. Beides funktioniert faktisch nicht. Eine technische Störung bei einem Anbieter reicht, und die Kommunikation bricht zusammen. Das ist handwerklich einfach schlechte Architektur. Wer seine Infrastruktur nicht selbst betreibt oder zumindest redundant über verschiedene Backbones verteilt, hat die Kontrolle über sein Produkt verloren. Punkt.

Cloudflare sagt, die Systeme würden „weiter auf Unregelmäßigkeiten überwacht“. Übersetzung: Wir starren auf Grafana-Dashboards und hoffen, dass es nicht wieder knallt.

Zusammenfassend: Das Internet war kurz kaputt, die rechten Hetz-Plattformen waren offline (was für ein angenehm ruhiger Nachmittag!), und am Ende lernen wir wieder nichts daraus und machen morgen genau so weiter.

Die einzige funktionierende Firewall ist Solidarität und dezentrale Infrastruktur. Alles andere ist Marketing-Geschwätz.

Update: Die Dienste laufen wieder normal. Der Hass kann also weiterfließen. Leider.